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Rechner · 01

Reifendruck-Rechner

Der optimale Luftdruck für dein Fahrrad — vorn und hinten getrennt, angelehnt an Frank Berto (15 %-Regel) und SRAM-Empfehlungen. Für Rennrad, Gravel, MTB, Trekking, E-Bike und Cargo.

Geprüft von der radmap.de RedaktionZuletzt aktualisiert:

Eingaben

Default 40/60 (Standard Rennrad/Trekking). Cargo mit Front-Ladung eher 45/55, MTB mit weit hinten sitzendem Fahrer 35/65.

Empfehlung

Vorderrad
4.5bar
66 psi
Hinterrad
4.6bar
67 psi

Empfohlenes Druckband für 32 mm bei 85 kg: 3.56.5 bar (Sicherheits-Cap: 6.5 bar).

So testest du: mit dem unteren Wert starten. Walkt der Reifen in Kurven oder fühlt sich der Lenker schwammig an, in 0,2-bar-Schritten erhöhen. Bei Nässe 0,2–0,3 bar weniger fahren.

Methodik & Quellen

Basis: Frank Berto (15 %-Reifen­durch­biegung bei Zielgewicht) und Druckempfehlungen aus dem SRAM Tire Pressure Guide sowie Silca-Tabellen. Ausgangs­band pro Reifenbreite kommt aus der internen Tabelle (Referenz 75 kg, 700C).

Schritte: (1) Bandmitte aus Reifenbreite, (2) Laufrad-Faktor (kleiner = mehr Druck), (3) Achslast-Verteilung ergibt Front- und Rear-Basis, (4) linearer Berto-Faktor ~0,9 % pro kg Achslast-Abweichung von der Referenz, (5) Untergrund-, Setup- und Fahrstil-Bias, (6) Einsatz-Bias (E-Bike/Cargo/Trekking), (7) Cap auf bautypisches Maximum und Hersteller-Grenze.

Die Reifenflanken-Angabe und die Felgen-Freigabe haben immer Vorrang. Zuletzt fachlich geprüft: siehe Redaktions-Datum oben.

So funktioniert der Reifendruck-Rechner

Der richtige Reifendruck ist der billigste Tuning-Hebel am Fahrrad. Zu hoher Druck macht den Reifen schnell, aber hart, unruhig und rutschig — vor allem in Kurven und bei Nässe. Zu niedriger Druck kostet Rollwiderstand, riskiert Snakebites und beschädigt bei Aufsetzern die Felge. Der Sweet-Spot liegt genau dort, wo der Reifen bei deinem Systemgewicht rund 15 % einfedert — das ist die klassische Faustformel von Frank Berto, die auch die SRAM-Tabellen und der Silca-Rechner verwenden.

Was in die Berechnung einfließt

Der Rechner nimmt dein Systemgewicht (Fahrer + Rad + Gepäck), Reifenbreite in mm, Laufradgröße, Einsatzbereich, den Untergrund, das Reifen-Setup (Tubeless, Butyl-Schlauch oder Latex-Schlauch), deinen Fahrstil und die Gewichtsverteilung vorne/hinten. Der Achslast-Anteil ersetzt den früher üblichen Pauschal-Delta von 10 % zwischen vorne und hinten — bei einem MTB-Fahrer, der weit hinten sitzt, kann der reale Unterschied deutlich größer werden, bei einem Front-Loader-Cargo dagegen fast verschwinden.

Beispiel-Empfehlungen (75 kg Systemgewicht, Tubeless, gemischter Untergrund)

ReifenbreiteVorderradHinterradAnwendung
25 mm5,4 bar6,0 barRennrad Straße
28 mm4,4 bar5,0 barRennrad Endurance
32 mm3,6 bar4,2 barRennrad rauer Belag
40 mm2,3 bar2,8 barGravel
50 mm1,7 bar2,1 barMTB XC / Trekking
60 mm1,4 bar1,7 barMTB Trail / All-Mountain

Warum das Vorderrad weniger Druck bekommt

Auf einem klassischen Sitz-Setup ruhen etwa 40 % des Systemgewichts auf dem Vorderrad und 60 % hinten. Damit beide Reifen die gleiche Einfederung erreichen, muss der weniger belastete Reifen weicher gefahren werden. Ein Vorderrad mit dem gleichen Druck wie hinten fühlt sich hart und untersteuernd an, verliert bei Nässe früh Grip und übersetzt jede Fahrbahnwelle in den Lenker.

Tubeless, Latex, Butyl — was macht das aus?

Tubeless kommt ohne Schlauch aus. Damit fällt der reibungserhöhende Schlauch weg, und der Reifen kann 0,3–0,5 bar weniger fahren als mit Butyl — mehr Grip und weniger Rollwiderstand gleichzeitig. Auch das Snakebite-Risiko entfällt. Dichtmilch verschließt Löcher bis rund 3 mm sofort. Latex-Schläuche sind reibungsärmer als Butyl, verlieren aber schnell Druck (bis 1 bar pro Tag) und sind empfindlicher gegen scharfe Kanten. Butyl-Schläuche sind der robuste, druckstabile Standard — die einzige echte Empfehlung für Alltag ohne Prüf-Ritual.

E-Bike und Cargo: warum mehr Druck nötig ist

Ein Bosch-Antrieb wiegt mit Akku und Displayeinheit rund 5–8 kg, ein Lastenrad-Rahmen samt Kiste weitere 15–25 kg. Diese Massen belasten den Reifen dauerhaft, auch wenn du nicht draufsitzt. Der Rechner fügt für diese Einsatz­bereiche 0,25 bzw. 0,35 bar Bias hinzu — ein E-Bike mit 32 mm Reifen und 90 kg Fahrer läuft dadurch nicht wie ein klassisches Trekkingrad, sondern etwas härter, was Snakebites vermeidet.

Typische Fehler

  • Immer den Maximaldruck der Reifenflanke fahren — verschenkt Grip und Komfort komplett.
  • Vorne und hinten den gleichen Druck — führt zu ungleichmäßigem Verschleiß und wenig Vorderrad-Grip.
  • Druck nur einmal pro Monat kontrollieren — Butyl verliert 0,3 bar am Tag, Latex 1 bar.
  • Bei Nässe unverändert weiterfahren — 0,2–0,3 bar weniger machen den Unterschied.
  • Herstellerangabe ignorieren — das bautypische Reifenmaximum steht auf der Flanke und hat Vorrang.

Quellenlage und Methodik

Die Formel ist angelehnt an Frank Bertos „15 %-Regel" (siehe Bicycle Quarterly, 2006), den SRAM Tire Pressure Guide und das Silca-Modell. Die Achslast-Korrektur ist ein linearer Berto-Term (~0,9 % Druck pro kg Abweichung von der Referenz), das Laufradgrößen-Delta stammt aus den Schwalbe-Empfehlungen. Sicherheits-Caps aus einer internen Tabelle bautypischer Maximaldrücke pro Reifenbreite.

Häufige Fragen

Warum fährt das Vorderrad weniger Druck als das Hinterrad?
Auf dem Rad liegt typischerweise nur 40 % des Systemgewichts auf dem Vorderrad, 60 % hinten. Weniger Last = weniger Druck ist nötig, um die gleiche Reifendurchbiegung (≈ 15 % nach Frank Berto) zu erreichen. Ergebnis: mehr Grip vorne, mehr Sicherheit in Kurven und bei Nässe.
Was ist der maximale Reifendruck, den ich fahren darf?
Nie höher als der niedrigere Wert von: Reifenflanke, Felgen-Maximum, Herstellerangabe. Steht widersprüchliche Zahlen auf Reifen und Felge, gilt die kleinere. Unser Rechner cappt das Ergebnis automatisch auf einen bautypisch sicheren Maximaldruck.
Muss ich vor jeder Ausfahrt den Druck prüfen?
Ja — vor allem Rennrad-Butyl-Schläuche verlieren pro Tag rund 0,3–0,5 bar, Latex sogar 1 bar. Tubeless mit Dichtmilch ist stabiler, aber auch nicht druckstabil. Wer regelmäßig fährt, sollte 1× pro Woche mit einer Standpumpe mit Manometer korrigieren.
Wie ändert sich der Druck bei Regen?
Bei nasser Fahrbahn 0,2–0,3 bar unter deinem Trocken-Setup fahren. Der Reifen wird weicher, die Aufstandsfläche größer, das Aquaplaning-Risiko sinkt. Wichtiger als der Druck bleibt die Reifenwahl mit ausgeprägter Mittelrille.
Ist Tubeless immer besser?
Für Gravel, MTB und moderne Rennreifen ab 28 mm: klar ja. Weniger Rollwiderstand bei niedrigerem Druck, Dichtmilch verschließt kleine Löcher sofort, kein Snakebite-Risiko. Für schmale Rennreifen unter 25 mm oder alte Felgen ohne Hakenprofil bleibt Butyl-Schlauch der einfachere Weg.