Wechsel im Bundesverkehrsministerium: ADFC fordert mehr Tempo für den Radverkehr
Steffen Bilger soll neuer Bundesverkehrsminister werden. Der ADFC fordert vom Wechsel mehr Tempo beim Radwegebau, mehr Sicherheit und verlässliche Finanzierung. Hintergrund: Deutschland verfehlt laut Zwischenevaluation seine Radverkehrsziele.

An der Spitze des Bundesverkehrsministeriums steht ein Wechsel an: Steffen Bilger (CDU) soll das Amt von Patrick Schnieder übernehmen. Für Millionen Radfahrende in Deutschland ist das mehr als eine Personalie – denn dieses Ministerium prägt die Rahmenbedingungen dafür, wo neue Radwege entstehen, welche Sicherheitsstandards gelten und wie viel Geld in die Infrastruktur fließt. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) reagierte prompt und verbindet den Wechsel mit klaren Forderungen.
Was der ADFC vom neuen Minister erwartet
Der ADFC sieht im Führungswechsel die Chance, dem Radverkehr neuen Schwung zu geben. Bundesvorsitzender Frank Masurat dankte dem scheidenden Minister Patrick Schnieder für den offenen Austausch – und formulierte zugleich, worauf es aus Sicht des Verbands jetzt ankommt.
Im Kern stehen drei Forderungen:
- Zusammenhängende, sichere Radwegenetze: Nicht einzelne Teilstücke, sondern lückenlose Netze, auf denen man sicher von A nach B kommt.
- Mehr Verkehrssicherheit: Weniger Konflikte mit dem Autoverkehr, sicherere Kreuzungen und Führungen.
- Verbindliche Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans: Aus politischen Zielen sollen konkrete, messbare Maßnahmen werden.
Masurat betont, dass Bund, Länder und Kommunen dafür verlässliche Rahmenbedingungen und eine langfristige Finanzierung brauchen. Der Verband, der nach eigenen Angaben mehr als 240.000 Mitglieder vertritt, erklärte sich zu konstruktiven Gesprächen mit dem künftigen Minister bereit.
Der Hintergrund: Deutschland verfehlt seine Radverkehrsziele
Dass der ADFC auf Tempo drängt, hat einen konkreten Anlass. Am 19. Juni 2026 veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium eine Zwischenevaluation des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 (NRVP 3.0). Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Die Ziele für mehr, besseren und sichereren Radverkehr sind demnach noch nicht erreicht.
Der Nationale Radverkehrsplan ist das zentrale strategische Instrument des Bundes für die Radverkehrsförderung. Er legt fest, welche Ziele Deutschland beim Ausbau der Infrastruktur, bei der Sicherheit und bei der Fahrradnutzung erreichen will. Die Halbzeitbilanz zeigt nun, dass zwischen Anspruch und Realität weiterhin eine deutliche Lücke klafft.
Ein Beleg dafür ist auch der ADFC-Fahrradklima-Test, das größte Stimmungsbarometer für den Radverkehr in Deutschland. In der jüngsten Ausgabe vergaben die Teilnehmenden eine Gesamtnote von 3,92 – also nur befriedigend bis ausreichend. Besonders das Sicherheitsgefühl und Konflikte mit dem Kraftfahrzeugverkehr wurden als Schwachstellen genannt.
Geld ist da – die Umsetzung stockt
Interessant ist der Blick auf die Finanzen. Am Geld allein scheitert es nicht unbedingt: Der Bund stellt nach vorliegenden Angaben rund 1,6 Milliarden Euro an Fördermitteln für den Radverkehr bereit.
Die eigentliche Herausforderung liegt in der Umsetzung vor Ort. Fördermittel müssen abgerufen, Projekte geplant, genehmigt und gebaut werden – und genau hier hakt es oft auf kommunaler Ebene. Personalmangel in den Verwaltungen, langwierige Planungsverfahren und konkurrierende Interessen im knappen Straßenraum bremsen den Ausbau. Der Wechsel im Ministerium ändert daran zunächst vor allem eine Sache: die Person an der Spitze, nicht automatisch die Richtung.
Warum schon ein Kilometer Radweg zählt
Dass sich der Einsatz lohnt, zeigt die Forschung. Nach einer international angelegten Studie kann bereits ein zusätzlicher Kilometer Radweg das Mobilitätsverhalten in Städten verändern: Menschen steigen häufiger aufs Rad – und legen zusätzlich mehr Wege zu Fuß zurück.
Für den Alltag bedeutet das: Sichere, durchgängige Infrastruktur ist der wirksamste Hebel, um mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen. Wer sich auf dem Rad sicher fühlt, nutzt es öfter – gerade auch mit dem E-Bike, das längere Strecken und Pendeldistanzen attraktiv macht.
Was das für dich als Radfahrer bedeutet
Kurzfristig ändert sich durch den Ministerwechsel nichts an deinem täglichen Weg zur Arbeit. Mittelfristig aber entscheidet die Bundespolitik mit, wie schnell sichere Radwege in deiner Stadt entstehen und wie verlässlich die Finanzierung dafür ist.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob den politischen Absichtserklärungen konkrete Maßnahmen folgen. Für Alltagsradlerinnen und -radler ist genau das der Punkt, an dem sich Politik im echten Leben bemerkbar macht: an der Kreuzung, auf dem Schulweg, auf der Pendelstrecke.
FAQ: Die wichtigsten Fragen
Wer wird neuer Bundesverkehrsminister? Steffen Bilger (CDU) soll das Amt von Patrick Schnieder übernehmen.
Was fordert der ADFC? Zusammenhängende und sichere Radwegenetze, mehr Verkehrssicherheit, eine verbindliche Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans sowie eine langfristige, verlässliche Finanzierung.
Was ist der Nationale Radverkehrsplan? Das zentrale strategische Instrument des Bundes zur Förderung des Radverkehrs. Er definiert die Ziele für Infrastruktur, Sicherheit und Fahrradnutzung in Deutschland.
Was hat die Zwischenevaluation ergeben? Die am 19. Juni 2026 veröffentlichte Halbzeitbilanz des NRVP 3.0 kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland seine Radverkehrsziele bislang verfehlt.
Wie viel Geld steht für den Radverkehr bereit? Nach vorliegenden Angaben stellt der Bund rund 1,6 Milliarden Euro an Fördermitteln bereit. Die Herausforderung liegt vor allem in der Umsetzung vor Ort.
Was ist der ADFC-Fahrradklima-Test? Eine regelmäßige, breit angelegte Umfrage, die als wichtigstes Stimmungsbild für den Radverkehr in Deutschland gilt. Zuletzt lag die Gesamtnote bei 3,92, mit Schwächen vor allem beim Sicherheitsgefühl.
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