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  5. Bundeshaushalt 2027: Regierung kürzt Radverkehrsmittel um fast zehn Prozent
Nachrichten

Bundeshaushalt 2027: Regierung kürzt Radverkehrsmittel um fast zehn Prozent

Die Bundesregierung will die Mittel für den Radverkehr im Haushaltsentwurf 2027 um fast zehn Prozent auf 544 Millionen Euro kürzen – während 55 Prozent der Menschen häufiger Rad fahren wollen. Der Verband Zukunft Fahrrad kritisiert die Pläne als falsches Signal.

Von Redaktion radmap.de08. September 2026Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 20266 Min.Quelle · Zukunft Fahrrad, Pedelec-Elektro-Fahrrad, SAZbike, VeloTOTAL, Cycling Europe
Weniger Geld für den Radverkehr bedeutet: langsamer geschlossene Lücken im Radwegenetz und weniger sichere Wege.
Weniger Geld für den Radverkehr bedeutet: langsamer geschlossene Lücken im Radwegenetz und weniger sichere Wege.Symbolfoto: Brian Ashworth / Unsplash
Autor
Redaktion radmap.de
Veröffentlicht
08. September 2026
Rubrik
Nachrichten

Immer mehr Menschen in Deutschland wollen aufs Rad – doch die Bundesregierung plant, ausgerechnet jetzt beim Radverkehr zu sparen. Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 sollen die Mittel für den Radverkehr um fast zehn Prozent sinken, auf insgesamt 544 Millionen Euro. Der Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad kritisiert die Pläne zum Beginn der Haushaltswoche im Bundestag scharf als falsches Signal.

Für alle, die täglich mit dem Rad oder E-Bike unterwegs sind, ist das mehr als eine abstrakte Zahl: Es entscheidet mit darüber, wie schnell sichere Radwege entstehen – oder eben nicht.

Was gekürzt werden soll

Die geplanten Einschnitte betreffen mehrere zentrale Förderprogramme. Im Überblick:

  • Kommunale Radverkehrsprojekte aus dem Titel „Stadt und Land" sollen von 281 auf 276 Millionen Euro sinken.
  • Radwege an Bundesstraßen: Nach einer bereits erfolgten Kürzung von 120 auf 100 Millionen Euro bleibt es bei diesem reduzierten Wert.
  • Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen: Für neue Projekte sind erneut keine Mittel eingeplant.
  • Radschnellwege und Radwege an Bundeswasserstraßen: Hier sollen rund 43 Millionen Euro gestrichen werden.
  • Aktive Mobilität und modellhafte Radverkehrsprojekte: Minus von zwei bzw. fünf Millionen Euro.
  • Gewerbliche E-Lastenräder: vier Millionen Euro weniger im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Besonders kritisch: Die gestrichenen Mittel für Radschnellwege werden nicht in andere, stark nachgefragte Programme umgeschichtet – sie fallen schlicht weg.

Der Widerspruch: Nachfrage steigt, Förderung sinkt

Das eigentlich Bemerkenswerte an der Nachricht ist der Widerspruch, der dahintersteckt. Denn die Lust aufs Radfahren wächst deutlich.

Nach dem Fahrradmonitor des Bundesverkehrsministeriums wollen inzwischen 55 Prozent der Menschen in Deutschland künftig häufiger Fahrrad oder E-Bike fahren. 2021 lag dieser Anteil noch bei 41 Prozent. Damit steht das Fahrrad unter allen Verkehrsmitteln an der Spitze der Wünsche.

Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad, bringt den Widerspruch auf den Punkt: Immer mehr Menschen wünschten sich, öfter Rad zu fahren – doch die Bundesregierung kürze genau die Mittel, die dafür nötig seien. Aus Sicht des Verbands sind Investitionen in sichere Radinfrastruktur zugleich ein Beitrag zur Entwicklung der mittelständisch geprägten Fahrradwirtschaft.

Warum das für dich als Radfahrer zählt

Die Höhe eines Haushaltstitels klingt abstrakt – die Folgen sind es nicht. Weniger Geld bedeutet konkret: weniger neue Radwege, langsamer geschlossene Lücken im Netz, keine neuen Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen und weniger sichere Kreuzungen.

Gerade die Sicherheit ist ein wunder Punkt. Fehlende oder schlechte Infrastruktur ist einer der Hauptgründe, warum sich viele auf dem Rad unsicher fühlen – und warum es zu Unfällen kommt. Genau dieses Sicherheitsgefühl bewerten Radfahrende regelmäßig im ADFC-Fahrradklima-Test, dessen jüngste Ausgabe gerade läuft. Mehr dazu in unserem Bericht zum Start des ADFC-Fahrradklima-Tests 2026.

Die Kürzungspläne stehen zudem im Spannungsfeld zu den Forderungen, die Verbände zuletzt an die Politik gerichtet haben. Erst kürzlich hatte der ADFC anlässlich des Wechsels an der Spitze des Bundesverkehrsministeriums mehr Tempo beim Radwegeausbau gefordert – nachzulesen in unserem Artikel zum Wechsel im Bundesverkehrsministerium.

Wie es weitergeht

Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich zunächst um einen Entwurf. Der Bundeshaushalt 2027 wird in den kommenden Wochen im Bundestag beraten. In der Vergangenheit haben sich einzelne Posten im Laufe der Haushaltsverhandlungen noch verändert – mal nach oben, mal nach unten.

Für Radfahrende bleibt die Entwicklung damit offen. Klar ist aber: Der Druck von Verbänden wie Zukunft Fahrrad und dem ADFC dürfte in den kommenden Wochen zunehmen. Ob die Politik nachbessert, wird sich im Verlauf der Haushaltsberatungen zeigen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen

Um wie viel will die Bundesregierung den Radverkehr kürzen? Um knapp zehn Prozent. Im Haushaltsentwurf 2027 sollen für den Radverkehr insgesamt noch 544 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Welche Programme sind betroffen? Unter anderem kommunale Radverkehrsprojekte, Radwege an Bundesstraßen, Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen, Radschnellwege sowie Förderungen für aktive Mobilität und gewerbliche E-Lastenräder.

Wer kritisiert die Kürzungen? Der Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad. Geschäftsführer Wasilis von Rauch nennt die Pläne ein falsches Signal, das im Widerspruch zur wachsenden Nachfrage stehe.

Wie viele Menschen wollen häufiger Rad fahren? Laut Fahrradmonitor des Bundesverkehrsministeriums 55 Prozent – 2021 waren es noch 41 Prozent. Das Fahrrad liegt damit an der Spitze aller Verkehrsmittel.

Ist die Kürzung schon beschlossen? Nein. Es handelt sich um einen Haushaltsentwurf, der im Bundestag beraten wird. Änderungen sind im Laufe der Verhandlungen möglich.

Was bedeutet das konkret für Radfahrer? Weniger Mittel können bedeuten: langsamerer Ausbau sicherer Radwege, keine neuen Fahrradparkhäuser und langsamer geschlossene Lücken im Radwegenetz.

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